Sicherheit
Sicherheitskonzept für Prüfstände: von der Risikobeurteilung bis zum Not-Halt
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Prüfstand ist rechtlich eine Maschine: Auch der Eigenbau für den Eigengebrauch unterliegt der Maschinenrichtlinie und braucht eine Risikobeurteilung.
- Sicherheitsfunktionen laufen auf einer eigenen Sicherheits-SPS, niemals in der normalen Prüfstandssoftware.
- Die Reihenfolge der Schutzmaßnahmen ist vorgegeben: erst konstruktiv entschärfen, dann technisch schützen, zuletzt organisatorisch regeln.
Womit jedes Sicherheitskonzept beginnt: der Risikobeurteilung
Bevor über Schutzhauben oder Relais gesprochen wird, steht die systematische Frage: Was kann an diesem Prüfstand wen wie verletzen? Die EN ISO 12100 gibt dafür das Vorgehen vor: Gefährdungen identifizieren (rotierende Wellen und Kupplungen, wegfliegende Teile beim Versagen eines Prüflings, elektrische Energie, heiße Oberflächen, Akkus), Risiken nach Schwere und Wahrscheinlichkeit bewerten und Maßnahmen ableiten. Das Ergebnis wird dokumentiert, es ist die Grundlage für alles Weitere und Teil des CE-Zielbilds.
Wichtig für Selbstbauer: Auch wer einen Prüfstand nur für den eigenen Betrieb baut, wird rechtlich zum Hersteller mit den entsprechenden Pflichten. Dieser Artikel gibt einen technischen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.
Die Hierarchie der Schutzmaßnahmen
Die Norm gibt eine klare Rangfolge vor. Zuerst inhärent sicher konstruieren: Energien begrenzen, Quetschstellen vermeiden, Drehzahlen und Drehmomente nicht größer auslegen als nötig. Dann technische Schutzmaßnahmen: trennende Schutzeinrichtungen wie eine Polycarbonat-Haube über dem rotierenden Strang, bei Bedarf mit überwachter Zuhaltung, dazu Not-Halt-Geräte nach EN ISO 13850 in Griffweite des Bedienplatzes. Erst zuletzt organisatorische Maßnahmen wie Kennzeichnung, Signalleuchten und Betriebsanweisungen, sie ergänzen technische Maßnahmen, ersetzen sie aber nie.
Funktionale Sicherheit: die Sicherheits-SPS
Not-Halt, Haubenüberwachung und sichere Abschaltung sind Sicherheitsfunktionen im Sinne der EN ISO 13849 und brauchen eine nachweisbare Zuverlässigkeit (Performance Level). Dafür gibt es konfigurierbare Sicherheits-SPSen wie die Pilz PNOZmulti: zweikanalige Erfassung, überwachte Abschaltpfade zu den Umrichtern, definierte Reaktion bei Drahtbruch.
Die wichtigste Regel dabei: Sicherheitsfunktionen gehören nie in die normale Prüfstandssoftware. Die Automatisierung darf den Prüfstand komfortabel stoppen, aber die Sicherheit darf nicht davon abhängen, dass ein PC-Programm fehlerfrei läuft. Sicherheitskette und Steuerung bleiben getrennte Welten, die Software erfährt vom Not-Halt nur, dass er ausgelöst wurde.
Wie das am realen Prüfstand aussieht
Am Beispiel eines Antriebsstrangprüfstands: Der rotierende Strang läuft unter einer verschraubten Polycarbonat-Haube mit Warnmarkierung, der Not-Halt-Taster sitzt direkt am Bedienplatz, eine Signalsäule zeigt den Anlagenzustand von Weitem, und die Freigabe der Antriebe führt über die Sicherheits-SPS. So bleibt der Prüfstand auch dann beherrschbar, wenn ein Prüfling versagt oder ein Bediener einen Fehler macht, denn genau dafür ist das Konzept da.
Und bei ENGtron?
Beide In-house-Prüfstände von ENGtron sind mit einer Pilz-PNOZmulti-Sicherheits-SPS abgesichert, das CE-Zielbild ist dokumentiert. Beim Prüfstandsbau für Kunden gehört das Sicherheitskonzept von der Risikobeurteilung bis zur Umsetzung zum Lieferumfang.
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ENGtron unterstützt bei Prüfdienstleistungen, Prüfstandsbau und Prüfstandssoftware, direkt vom Entwicklungsingenieur, ohne Umwege. Beschreiben Sie Ihre Aufgabe in zwei, drei Sätzen und Sie erhalten eine ehrliche Einschätzung.
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