Echtzeit & Software
Linux Real-Time am Prüfstand: Echtzeit ohne teure Spezialhardware
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Prüfstand braucht deterministisches Timing: Die Regelung muss in jedem Zyklus rechtzeitig rechnen, nicht nur im Durchschnitt schnell sein.
- Linux mit PREEMPT_RT erreicht auf Industrie-PCs zuverlässig Zykluszeiten von 1 ms mit Latenzen deutlich unter 100 µs.
- Sicherheitsfunktionen gehören nie in die Echtzeit-Software, sondern in eine eigene Sicherheits-SPS.
Warum Echtzeit am Prüfstand kein Luxus ist
Eine Prüfstandsregelung lebt von Verlässlichkeit im Takt: Wenn der Drehmomentregler alle 1 ms neue Stellwerte liefern soll, dann in jedem einzelnen Zyklus. Ein normales Betriebssystem ist im Mittel schnell genug, aber gelegentliche Aussetzer von mehreren Millisekunden (Updates, Treiber, Hintergrundprozesse) ruinieren die Regelgüte und machen Messungen unvergleichbar. Echtzeit heißt deshalb nicht „schnell“, sondern „rechtzeitig, garantiert“.
Was PREEMPT_RT aus Linux macht
PREEMPT_RT ist die Echtzeit-Erweiterung des Linux-Kernels und inzwischen weitgehend in den Mainline-Kernel eingeflossen. Sie macht den Kernel nahezu vollständig unterbrechbar: Ein Prozess mit Echtzeitpriorität (SCHED_FIFO) verdrängt alles andere, auch Kernel-Arbeit. Auf einem gewöhnlichen Industrie-PC sind damit zuverlässige Latenzen deutlich unter 100 µs erreichbar, genug Reserve für einen sauberen 1-ms-Regeltakt.
In der Praxis gehören dazu ein paar Handgriffe: einzelne CPU-Kerne für die Echtzeit-Tasks reservieren (CPU-Isolation), Interrupts gezielt zuordnen und die tatsächlichen Latenzen mit Werkzeugen wie cyclictest unter Volllast messen, statt sie zu vermuten.
EtherCAT als Taktgeber der Messkette
Zur Echtzeit-Regelung gehört ein Feldbus, der mithält. EtherCAT liefert harte 1-ms-Zyklen (und schnellere), synchronisiert alle Teilnehmer über verteilte Uhren und transportiert Soll- und Messwerte in einem einzigen Frame über den ganzen Prüfstand. Drehmomentsensoren, Umrichter und I/O hängen an einem Strang, und jeder Messwert trägt denselben Zeitstempel, die Grundlage für synchrones Logging aller Kanäle.
Linux RT oder Spezialsysteme wie Speedgoat und dSPACE?
Kommerzielle Echtzeitsysteme sind exzellente Werkzeuge, kosten aber schnell fünfstellige Beträge plus laufende Lizenzgebühren, und der Code lebt in einem geschlossenen Ökosystem. Ein Linux-RT-Stack auf Industrie-Hardware kostet einen Bruchteil, gehört vollständig einem selbst und lässt sich beliebig erweitern. Der Preis dafür: Man muss das System selbst beherrschen, vom Kernel-Tuning bis zum EtherCAT-Master.
Eine klare Grenze gilt für beide Welten: Funktionale Sicherheit (Not-Halt, Schutztürüberwachung, sichere Drehzahlabschaltung) gehört nie in die Prüfstandssoftware, egal wie echtzeitfähig sie ist, sondern in eine zertifizierte Sicherheits-SPS. Mehr dazu im Artikel über Sicherheitskonzepte.
Und bei ENGtron?
Beide In-house-Prüfstände von ENGtron laufen mit Linux Real-Time und EtherCAT bei 1 ms Zykluszeit. Regelung, Ansteuerung und Automatisierung sind vollständige Eigenentwicklung, genau das Know-how, das wir auch in Kundenprojekte einbringen, inklusive Migration von kostenintensiven Lizenzmodellen auf eigene Software.
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ENGtron unterstützt bei Prüfdienstleistungen, Prüfstandsbau und Prüfstandssoftware, direkt vom Entwicklungsingenieur, ohne Umwege. Beschreiben Sie Ihre Aufgabe in zwei, drei Sätzen und Sie erhalten eine ehrliche Einschätzung.
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